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Regionales Treffen der ehemaligen IPP-Praktikanten aus Baltikum


„Zum ersten Mal organisiert und so was von erfolgreich! Alles verlief völlig reibungslos und ordentlich – wir haben uns wie im Bundestag gefühlt“ – solche Eindrücke haben wir nach dem dreitägigen Treffen ehemaliger Stipendiaten des Deutschen Bundestages (Internationales Parlaments-Praktikum – IPP) aus Litauen, Lettland und Estland unter uns geteilt. Ein litauisches Sprichwort sagt zwar, dass die erste Plinse immer brenzlig ist, wir haben aber in diesem Fall genau das Gegenteil erlebt – sie war besonders gelungen. Und eine Weltpremiere sogar: bisher hat man keine länderübergreifenden Treffen der IPP-Alumni veranstaltet.

Die Veranstaltung, an der rund 45 ehemalige Bundestagsstipendiaten aus den drei baltischen Staaten teilnahmen, hat vom 21. bis 23. September 2006 in Riga stattgefunden. Sie ging auf eine Initiative des lettischen IPP-Alumni-Verbandes zurück und wurde vom Deutschen Bundestag und der Deutschen Botschaft in Riga finanziell sowie ideell unterstützt.

Eine angenehme Überraschung hat uns schon am ersten Tag unseres Aufenthaltes erwartet. Nachdem wir uns im in der Altstadt liegenden Hotel eingerichtet haben, sind wir zum Empfang beim deutschen Botschafter in Lettland, Herrn Eberhard Schuppius, hinausgeeilt. Zu der Residenz des Botschafters wurden wir mit einer extra für diese Veranstaltung gemieteten altertümlichen Straßenbahn - einer echten historischen Reliquie - gebracht. Der Botschafter hat uns sehr gastfreundlich aufgenommen, teilte uns seine Erfahrungen über seine eigene Tätigkeit, Eindrücke aus den Baltischen Staaten mit, erzählte die Geschichte des Residenzgebäudes.

Die nächsten zwei Tage waren voll von Seminaren und Diskussionen. Auf dem Programm des ersten Seminars, das am 22. September in der Botschaft Riga stattgefunden hat, stand die Rolle des IPP-Praktikums im Baltikum. Zu diesem Thema haben sich der Zweite Sekretär, Kultur- und Pressereferent der Deutschen Botschaft in Riga, Dr. Volker Erhard, die Betreuerin des IPP-Programms im Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Republik Lettland, Frau Aija Jakovica, Vertreter aller drei Ehemaligen-Netzwerke sowie der ehemalige IPP-Praktikant und jetzige Abgeordnete des estnischen Parlaments, Herr Indrek Raudne, geäußert. Eine Rede über den Deutschen Bundestag und seine internationalen Beziehungen hat ein Gast aus Berlin – Leiter der Abteilung für Wissenschaft und Außenbeziehungen im Deutschen Bundestag, MD Friedhelm Maier, gehalten.

Im Seminar hat man sich gegenseitig über die Tätigkeit der drei Ehemaliger-Netzwerke informiert. Während in Litauen und Lettland bereits seit 2003 eingetragene IPP-Alumni-Vereine existieren, ist das Netzwerk der IPP-Ehemaligen in Estland noch nicht institutionalisiert. Der litauische IPP-Verband organisiert regelmäßig Stammtische, verfügt über eine eigene Internetseite und kann sich über ein relativ hohes Spendenaufkommen freuen – günstige Steuergesetze in Litauen erlauben den Vereinsmitgliedern zwei Prozent ihrer Einkommenssteuer dem Verein zu überweisen. Tätigkeit des lettischen Vereins war bisher nicht so regulär und intensiv wie die der litauischen Kollegen.

Abgesehen von organisatorischen Unterschieden sind die ehemaligen Stipendiaten in allen drei Ländern bei der Werbung für das IPP-Programm und bei der Auswahl geeigneter Kandidaten aktiv. Es wurde während des Seminars darüber diskutiert, wie die Verbandsarbeit in allen drei Ländern auszuweiten und attraktiver zu machen ist. Alle Teilnehmer haben viel Aufmerksamkeit der Rolle des IPP-Programms bei der Förderung der interkulturellen und akademischen Zusammenarbeit zwischen den Ländern geschenkt, eine Auklärungsmission solcher Programme hervorgehoben. An demselben Tag haben wir den lettischen Saeima besucht, wo wir uns mit der deutsch-lettischen Parlamentariergruppe und ihrem Vorsitzenden, Herr Paulis Klavins, getroffen haben. Die Politiker haben sich lebhaft für unsere Erfahrungen im Deutschen Bundestag interessiert, mit uns über die Fortschritte der jungen Demokratien in den baltischen Staaten und über den Weg der Demokratie in Deutschland diskutiert.

Darüber hinaus besuchten wir die Bank von Lettland, wo wir ihr beeindruckendes Museum besichtigt und mit den Angestellten der Bank die Perspektiven der Euro-Einführung in Lettland besprochen haben.

Der letzte Seminartag war der Rolle der baltischen Staaten bei der Verbreitung demokratischer Werte gewidmet. Die Vorträge zu diesem Thema haben die stellvertretende Staatssekretärin des Außenministeriums der Republik Lettland, Frau Alda Vanaga, Projektdirektorin des Meinungsforschungsunternehmens „SKDS“, Frau Ieva Strode, sowie Vertreter der lettischen Nichtregierungsorganisationen gehalten. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion haben die Redner zusammen mit den IPP-Alumni versucht, die Frage zu beantworten, ob die baltischen Staaten immer noch nur als Demokratie-Importeur fungieren oder schon zum Demokratie-Exporteur in solchen Ländern wie Weißrussland, die Ukraine oder Georgien werden sollen. Mehrheitlich wurde die folgende Meinung vertreten: „Die baltischen Staaten sind noch nicht im Stande, direkte ökonomische und finanzielle Hilfe in demselben Umfang wie etablierte westliche Demokratien den anderen Ländern zu leisten. Sie sind jedoch schon heute bei der Verbreitung demokratischer Werte in verschiedenen Regionen auf unterschiedlichen Ebenen aktiv.“

Während der ganzen Veranstaltung hatten wir Möglichkeiten, die Diskussionen auch in einer inoffiziellen Umgebung fortzuführen – bei der Führung durch wunderschöne Altstadt Rigas, beim Abendessen in einem Restaurant, schließlich an einem stimmungsvollen Tanzabend.

Gute Laune hat uns auch in den letzten Augenblicken nicht verlassen. Unsere estnischen Kollegen haben uns beim letzten Mittagessen eingeladen, einen Glas Sekt auf den neuen Präsidenten, der genau an dem Tag gewählt wurde, zu trinken.

Vor der Rückreise haben wir alle die Hoffnung geäußert, dass diese Initiative nicht in Vergessenheit gerät und die IPP-Ehemaligen aus Baltikum sich bald wiedersehen.

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